Liebe Leser!
Osteoporose, im Deutschen allgemein auch als Knochenschwund bezeichnet, ist eine schleichende, heimtückische Erkrankung, weil sie über Jahre und Jahrzehnte schmerzfrei und deswegen unbemerkt verläuft und erste Anzeichen oft wenig ernst genommen werden. Im fortgeschrittenen Stadium sind die Schmerzen, der Leidensdruck und der Verlust an Lebensqualität der Betroffenen enorm.
Nicht umsonst zählt die Weltgesundheitsorganisation WHO die Osteoporose zu den 10 gravierendsten Zivilisations-krankheiten.
Gleichwohl muss man die Diagnose „Osteoporose“ nicht schicksalsergeben ertragen. Viel lässt sich mit einer gezielt aufgewerteten Ernährung, richtiger und ausreichender Bewegung und anderen Maßnahmen erreichen.
Diese Broschüre möchte Ihnen wissenswerte und nützliche Informationen und Tipps an die Hand geben und Sie an einige Überlegungen heranführen, die in den üblichen schulmedizinischen Büchern nicht zu finden sind.
Inhalt
- Das Skelett
- Knochen leben
- Woher bezieht der Knochen nun seine Elastizität und woher seine Härte?
- Mengenverhältnisse der Mineralien und Spurenelemente
- Osteoporose
Erste Anzeichen
Ursachen
Weitere Einflussfaktoren - Was geschieht im Knochen, der osteoporotisch wird?
- Calcium, Silicium & Co.
- Ernährungsphysiologischer Therapieansatz
- Ein Blick über den Tellerrand
- Ein Wort zum Schluss (Zusammenfassung)
- Literaturverzeichnis
Das Skelett
Ihr Knochengerüst benötigt eine ganze Reihe von Jahren, bis es vollständig entwickelt ist. Das Skelett eines Neugeborenen besteht zunächst noch aus mehr als 300 Knochen bzw. Knorpeln, was für Mutter und Kind bei der Geburt äußerst vorteilhaft ist. Nur die Oberarmknochen beginnen bereits im Mutterleib (8. Woche) zu verknöchern (ossifizieren).
Im Laufe der weiteren körperlichen Entwicklung wachsen die Knochen teilweise zusammen und werden immer fester und belastbarer. Das „ausgewachsene“ menschliche Skelett besteht aus etwa 206 Knochen von unterschiedlichster Größe, Form und Funktion. Die Anzahl kann etwas variieren, da im Fuß und in der Wirbelsäule unterschiedlich viele Knochen vorhanden sein können.
Erst um das 20. Lebensjahr herum ist das Skelett größenmäßig vollständig entwickelt.
Unser Knochengerüst hat sehr verschiedene, sehr wichtige Aufgaben wahrzunehmen:
Seine erste Aufgabe ist die der Stützfunktion. Die „raffiniert“ aufgebaute Wirbelsäule erlaubt uns den aufrechten Gang. Unsere Fußknochen sind problemlos in der Lage, unser gesamtes Körpergewicht zu tragen.
Dabei bilden die Knochen aber kein starres Gerüst. Die meisten Knochen sind durch Gelenke (vom Kugelgelenk über Scharniergelenke, Zapfen- oder Radgelenke bis zum Sattel- und Drehgelenk) beweglich miteinander verbunden. Unsere Hand ist ein wahrhaftiges Wunderwerk.
Neben der Stützfunktion hat das Skelett die Aufgabe, unsere inneren Organe zu schützen; der Brustkorb schützt vor allem Herz und Lunge, die Schädelknochen das Gehirn.
Schließlich sind die Skelettknochen unser wichtigstes Blutbildungsorgan. Im Knochenmark werden die roten Blutkörperchen (Erythrozyten), die weißen Blutkörperchen (Leukozyten) und die sogenannten Blutplättchen (Thrombozyten) gebildet.
Zu guter letzt bilden unsere Knochen eine Art Depot für viele Mineralien und Spurenelemente, allen voran Calcium und Phosphor.
Der Begriff „Skelett“ leitet sich übrigens aus dem Griechischen „skeletos“ her und bedeutet „das Ausgetrocknete“.
Knochen leben
Auch wenn unsere Knochen fest, hart und starr anmuten, sie sind hochaktiv, elastisch und lebendig und alles andere als „ausgetrocknet“. Das Knochengewebe (Matrix) wird ununterbrochen auf-, ab- und umgebaut. Das ist notwendig, um sich den Anforderungen aus unseren Bewegungsabläufen optimal anzupassen und um Strukturschäden (Mikro-Cracks), die im Zuge alltäglicher Belastungen und Bewegungen entstehen, zu reparieren.
In diesem Prozess – der sogenannten Knochengewebe-Remodellierung – wird alte oder defekte Knochensubstanz von Osteoklasten abgebaut und durch neugebildeten Knochen ersetzt. Die Knochenneubildung erfolgt durch Osteoblasten, die weiches Osteoid (unverkalkte Knochengrundsubstanz) absondern, das nach und nach kalzifiziert, besser mineralisiert.
Der Knochenaufbau, -umbau und -abbau ist ein recht komplexer und komplizierter Vorgang. Er wird von einem Zusammenspiel von Hormonen, Vitaminen, Mineralien und anderen Botenstoffen (zellspezifische anabole Peptide) gesteuert – aber nur wirksam in Verbindung mit Bewegung, Belastung und körperlicher Aktivität.
Man geht davon aus, dass im Verlauf von 7-10 Jahren die gesamte Knochenmasse einmal abgebaut und neu zusammengebaut wird.
Der gesunde Knochen erfüllt zwei entscheidende Qualitätskriterien:
- Er muss hart sein.
Er muss elastisch oder schwingungsfähig sein.
Ohne Härte würde er sich durchbiegen, ohne Elastizität würde er bei stoßartigen Belastungen, z.B. einem Sprung, brechen.
Woher bezieht der Knochen nun seine Elastizität und woher seine Härte?
Knochen bestehen zu 70-75 % aus hochelastischem Bindegewebe, das von „Fibroblasten“ (im Knochen heißen diese Zellen „Osteoblasten“) aufgebaut wird. Das Bindegewebe besteht aus Kollagenfasern, das sind Proteine (also Eiweiße), die einen hohen Gehalt an Schwefel besitzen. Kollagenfasern besitzen eine enorme Zugfestigkeit und können Gewichte bis zum 10.000-fachen ihres Eigengewichtes tragen.
Die Matrix, also das Strickmuster, nach der der Körper kollagenes Bindegewebe erzeugt, ist wiederum Silicium abhängig. Auch die Aktivität der „aufbauenden Zellen“ ist um ein Vielfaches höher, wenn sie siliciumreich sind. Silicium spielt also eine zweifache Rolle: Es ist einerseits von Bedeutung für die Struktur und andererseits für die Stoffwechselaktivität des Knochenbindegewebes.
In dieses Geflecht von Eiweißfäden (Kollagenfasern) werden 25-30 % Calcium- und Phosphorkristalle, sog. Hydroxylapatit (Ca5(PO4)3(OH)) und Fluorapatit (Ca5(PO4)3F) eingebaut. Das geschieht sekundär, also erst nachträglich. Dies sind die Stoffe, die dem Knochen seine Härte verleihen.
Entscheidend für einen „gesunden Knochen“ ist das ausgewogene Verhältnis von (elastischem) Bindegewebe zu (härtendem) Calciumfluoridphosphat.
Neben den oben erwähnten Stoffen: Calcium, Silicium, Schwefel, Fluor und Phosphor sind (wissenschaftlich gesichert) eine Reihe anderer Mineralien, Spuren-elemente und Vitamine direkt und indirekt für das Knochengewebe (die Synthese von Kollagen) und den Knochenstoffwechsel von Bedeutung: Kalium, Magnesium, Bor, Zink, Mangan, Strontium, Kupfer sowie die Vitamine C, K, B6. Das als Vitamin D3 bezeichnete Prohormon Cholecalciferol ist von Bedeutung für die Resorption des Calciums aus dem Darm und für dessen Einbau in das Knochenbinde-gewebe.
Während der Abschluss der Wachstumsphase unserer Knochen in etwa mit dem Ende der Pubertät einhergeht, erreichen Knochenmasse und Knochenfestigkeit erst um das 30. bis 35. Lebensjahr ihren Zenit. Danach lässt die Tätigkeit der knochenaufbauenden Zellen (Osteoblasten) – der Knochenstoffwechsel – langsam nach, so dass ab etwa dem 35. Lebensjahr die abbauenden Prozesse überwiegen.
Es ist nicht nur ihr Knochenstoffwechsel, der ab dem 35. Lebensjahr nachlässt, es ist der gesamte Stoffwechsel. Alle Zellen Ihres Körpers „lassen in ihrer (Stoffwechsel)Aktivität nach“. Gleichwohl ist das Maß, in dem die Stoffwechselaktivität abnimmt, absolut beeinflussbar.
Fast in der gesamten verfügbaren Literatur zum Thema Knochen bzw. Knochenerkrankungen wird auf Calcium als den wichtigsten Knochen-Baustein verwiesen. Das ist – wie sich angesichts des Knochenaufbaus erahnen lässt – ein Irrtum, der zwar verständlich und erklärbar, deswegen aber nicht minder schwerwiegend ist.
Mengenverhältnisse der Mineralien und Spurenelemente
Ein Blick auf die Mengenverhältnisse der Mineralien und Spurenelemente in unserem Körper macht sofort deutlich, warum der Fokus stets auf Calcium gerichtet ist:
| Mineral | Menge im Organismus | Verhältnis zu Calcium (ca.) |
|---|---|---|
| Calcium | 1200-1500 g | |
| Phosphor | 700 g | 1 : 2 |
| Kalium | 170-200 g | 1 : 7 |
| Schwefel | 175 g | 1 : 8 |
| Chlorid | 100-120 g | 1 : 12 |
| Natrium | 70-100 g | 1 : 15 |
| Magnesium | 25-30 g | 1 : 49 |
| Eisen | 4-5 g | 1 : 300 |
| Fluor | 3-5 g | 1 : 337 |
| Zink | 1,8-2,3 g | 1 : 675 |
| Silicium | 1,5 g | 1 : 900 |
| Kupfer | 0,1-0,15 g | 1 : 10000 |
| Mangan | 0,01-0,02 g | 1 : 90000 |
| Bor | 0,0002-0,0007 g | 1 : 2700000 |
Calcium ist mengenmäßig der bedeutendste Stoff in unserem Organismus, und 99 % dieser stattlichen Menge von fast 1,5 kg sind im Knochen eingelagert. Knochen erscheint uns zunächst einmal hart (an die Elastizität denken wir weniger) und es ist das Calcium, das die Härte verleiht. Das ist es, was zum Schluss von der vorrangigen Bedeutung des Calciums verführt.
Hinsichtlich der auszuübenden Funktionen gibt es aber keine Unterschiede in der Bedeutung dieser Stoffe. Jeder ist unverzichtbar.
Die Anwesenheit aller essentiellen (lebensnotwendigen) Stoffe im richtigen Verhältnis ist entscheidend; schon der Mangel an einem dieser Stoffe stört das physiologische Gleichgewicht und führt zu einer wie auch immer gearteten Einschränkung (Entgleisung) des Stoffwechsels.
Osteoporose
Die Zahlen sehen zunächst düster aus.
In Deutschland gibt es den Ergebnissen der EVA-Studie folgend etwa 7,8 Mio. Osteoporose-Erkrankte, davon etwa 75-80 % Frauen – also rund 6 Millionen. Der Anteil der männlichen Osteoporose-Fälle ist im Steigen begriffen, ebenso die Gesamt-Anzahl der Fälle.
Etwa 300.000 Knochenbrüche pro Jahr in Deutschland sind auf eine Osteoporose zurückzuführen.
Zur Veranschaulichung: Jede 2. Frau über 60 Jahre und jeder 5. Mann über 50 Jahre sind de facto von Osteoporose betroffen. Die meisten wissen es nicht. Diagnostiziert wird die Osteoporose in der Regel erst nach dem ersten Bruch, wenn die Knochenmasse bereits erheblich reduziert ist.
Nur etwa 20 % der Osteoporose-Patienten erhalten eine Therapie – das sind nur 1,6 Millionen Menschen. Besorgnis erregend ist, dass bereits 1 Jahr nach Stellung der Diagnose ca. 50 % der Patienten die Therapie abbrechen. Nach 2 Jahren befinden sich nur noch 33 % der Patienten in einer Therapie.
Der Substanzverlust des Knochens ist ein natürlicher Vorgang, der sich – wie das Altern – nicht aufhalten lässt. Die Menge der aufgebauten Substanz und das Maß des Substanzverlustes sind entscheidend und beide lassen sich erheblich beeinflussen. Die „einschlägigen“ Zahlen (in %), die bezüglich des „durchschnittlichen Substanzabbaus per anno“ kursieren, weisen eine erhebliche Breite auf. Sie liegen zwischen 0,5 % und 1,5 % – das ist ein gewaltiger Unterschied.
Das Bild des gebückten Greises oder das der buckligen Hexe aus dem Grimmschen Märchen sind zwar die treffende Darstellung einer fortgeschrittenen Osteoporose. Osteoporose ist aber keine zwangsläufige Notwendigkeit des Alterns!
Erste Anzeichen
Das Tückische der Osteoporose ist, dass sie zunächst schmerzfrei und deshalb meistens unerkannt verläuft. Erste (schmerzhafte) Anzeichen werden oft nicht ernst genommen oder nicht in den richtigen Zusammenhang gebracht:
- (Röhren)Knochen, die auf Beklopfen schmerzhaft werden.
- Abnahme der Körpergröße
- Verformung der Knochen, insbesondere der Wirbelsäule (Krummrücken, Witwenbuckel).
- Akuter Rückenschmerz, verursacht durch einen Bruch oder den Einbruch eines Wirbels.
- Chronischer (Osteoporose)Schmerz durch eine sich ergebende Über- oder Fehlbelastung des Bewegungsapparates.
- Tannenbaum-Phänomen nennt man charakteristische (tannenbaumartige) Hautfalten von der Wirbelsäule zu den Flanken durch den Größenverlust der Wirbelsäule.
Ursachen
Die Wissenschaft unterscheidet zwischen der primären Osteoporose (95 % der Fälle) und der sekundären Osteoporose (5 % der Fälle), die im Gegensatz zur primären als Folge einer anderen Erkrankung auftritt.
- Mangel an Bewegung und sportlicher Aktivität
- Falsche oder unzureichende (nährstoffarme) Ernährung
Unterversorgung der Mutter
Unterversorgung in Kindheit und Jugend;
im Erwachsenenalter - Andere chronische Erkrankungen
Morbus Crohn
Colitis ulcerosa
Schilddrüsenerkrankungen
Chronische Polyarthritis
Rheumatische Erkrankungen
Erkrankungen mit Dauermedikation, vor allem: Kortikoide, Antirheumatika, ASS, Analgetika, H2-Blocker
Weitere Einfluss- und Risikofaktoren
Es gibt eine Reihe weiterer Faktoren, die die Entstehung einer Osteoporose begünstigen. Das sind Faktoren, die entweder den Aufbau der Knochenmasse u.U. negativ beeinflussen oder den Abbau der Knochenmasse beschleunigen.
- Lebenswandel
Alkohol-, Coffein- und Nikotinkonsum
Radikale Diäten, Schlankheitskuren
Stress
Abführmittelmissbrauch
Tablettenmissbrauch - Schwangerschaft und Stillzeit
Nicht ausreichende Aufwertung der täglichen Ernährung (mit Folgen für Mutter und Kind) - (Frühzeitige) Menopause
- Erhöhter Insulinspiegel
- Hormonverschiebungen
- Diabetes/Altersdiabetes
- Lange Bettlägrigkeit
- Alter
reduzierte Stoffwechselaktivität
verminderte Nährstoffaufnahme
weitere Einschränkung der Bewegung
Abnahme der Muskelmasse - Umwelt-Toxine
- Schwermetallbelastung
In den meisten Fällen wird ein Zusammenwirken mehrerer Faktoren zum Entstehen einer Osteoporose geführt haben.

Was geschieht im Knochen, der osteoporotisch wird?
Bei einer Osteoporose bildet sich das Knochenbindegewebe immer mehr zurück; sie ist der sichtbare Ausdruck einer abbauenden (katabolen) Entgleisung des Zellstoffwechsels im Knochen. Die Tätigkeit der aufbauenden (anabolen) Osteoblasten ist gegenüber den abbauenden (katabolen) Osteoklasten drastisch vermindert. Das Knochenbindegewebe geht in seiner Masse, seiner Struktur und seiner Qualität vermehrt zugrunde.
Die Rückbildung des Knochenbindegewebes bringt eine Ausschwemmung der darin eingelagerten Calcium-Apatitkristalle mit sich. Der Calciumverlust des Knochens ist also nicht die Ursache, sondern die (notwendige) Folge des Bindegewebsrückgangs durch fehlende aufbauende Aktivität.
Dabei geht das genau ausgewogene Verhältnis von Bindegewebe zum Calcium-Apatit verloren – zu Lasten des Bindegewebes! Erinnern Sie sich: Das Bindegewebe sorgt für die Elastizität des Knochens, das eingelagerte Calciumfluoridphosphat für seine Härte.
Der Verlust an Elastizität bedeutet erhöhte Bruchgefahr, weil gemessen an dem noch vorhandenen Knochenbindegewebe im Verhältnis zu viel (!) Calcium vorhanden ist. Natürlich nur „im Verhältnis“. De facto fehlt es sowohl an Bindegewebe wie auch an Calcium.
Vergleichen Sie den Knochen mit einer Stahlbetonbrücke. Auch diese muss hart und elastisch (schwingungsfähig) sein. Um die Elastizität der Brücke zu gewährleisten, werden Stahlverstrebungen (= Spongiosa-Struktur des Bindegewebes) eingebaut, um ihr die notwendige Härte zu verleihen, wird sie in Beton eingegossen (= Calcium-Apatit-Kristalle). Eine solche Konstruktion ist hoch belastbar, aber immer noch schwingungsfähig. Um das zu erreichen, ist ein genau berechnetes Verhältnis von Stahl und Beton notwendig.
Der osteoporotische Knochen wäre nun vergleichbar mit einer Stahlbetonbrücke, bei der die Stahlkonstruktion durchrostet. Mit steigendem Verlust der Elastizität des Stahls bröckelt auch immer mehr Beton ab bis schließlich Bruchgefahr eintritt, da im Verhältnis zum verbliebenen brauchbaren Stahl zuviel Beton vorhanden ist – insgesamt natürlich von beidem zu wenig. Kein Brückenbau-Ingenieur käme nun auf die Idee, zur Sanierung der Brücke nur mehr Beton aufzutragen. Die erste Maßnahme bestünde darin, neuen Stahl einzuziehen (also das Bindegewebe zu regenerieren) und danach den abgebröckelten Beton aufzubauen (Calcium).
Zur Veranschaulichung laden wir Sie zu einem einfachen Experiment ein:
Legen Sie einen Hühnerknochen gut 1 Woche lang in ein Glas mit Essig. Der Essig löst das Calcium aus dem Knochen heraus. Nach der herrschenden Meinung müsste nun ein hochgradig osteoporotischer Knochen entstanden sein, der bereits unter geringer Belastung bricht. Erstaunlicherweise ist das aber nicht der Fall. Der Knochen ist biegsam wie Gummi geworden. Der Calciumverlust hat also nicht zur Osteoporose geführt, sondern zur Osteomalazie (Knochenerweichung), da das Bindegewebe im Verhältnis zum Calcium nur wenig abgebaut worden ist.
Zusätzliche Gaben von Calcium (+ Vitamin D3) sollten bei einer Osteoporose nicht ohne die für die Regeneration des Bindegewebes notwendigen (anabolen) Stoffe (siehe Tabelle unten) erfolgen, da sonst die Gefahr besteht, dass das Verhältnis von elastischem Bindegewebe zu härtendem Kalk noch weiter in den unphysiologischen Bereich verschoben wird.
Calcium, Silicium & Co.
Folgende Mineralien, Vitamine und Spurenelemente sind nach heutigem wissenschaftlichem Kenntnisstand für das Knochengewebe und dessen Stoffwechsel von unabdingbarer Bedeutung:
| Mineralien | Spurenelemente | Vitamine |
|---|---|---|
| Calcium | Silicium | Vitamin C |
| Phosphor | Zink | Vitamin K |
| Schwefel | Kupfer | Vitamin D3 |
| Kalium | Fluor | Vitamin B6 |
| Magnesium | Mangan | |
| Bor | ||
| (Jod) | ||
| (Strontium) |
Dies ist der heutige Kenntnisstand.
Unsere Forschung steckt, was das Wissen über die Wirkmechanismen von Mineralien und Spurenelementen im menschlichen Organismus betrifft, eher am Anfang, denn in einem fortgeschrittenen Stadium.
Mineralien und Spurenelemente greifen als freie Ionen, als Cofaktor und Katalysatoren in das organische Geschehen ein. Man geht davon aus, dass sie als Kern von Metallo-Enzymen weit über 10.000 verschiedene Stoffwechsel-vorgänge in unserem Organismus steuern, und sie stellen wirksame Transportsysteme zur Entgiftung bereit.
Das Spektrum der natürlichen Elemente umfasst rund 80 Mineralien und Spurenelemente.
Neben 13 Vitaminen sind 17 Mineralien und Spurenelemente wissenschaftlich als „essentiell“ anerkannt. 3 weitere Spurenelemente, Kobalt, Bor und Vanadium werden als „höchst wahrscheinlich essentiell“ angesehen, Zinn und Nickel werden ebenso diskutiert wie Strontium, das unser Körper wegen seiner verwandten atomaren Struktur von Calcium nicht unterscheiden kann.
Ob die übrigen ca. 47 Spurenelemente, die wir unserem Organismus über Nahrung und Wasser zuführen, auch essentiell (lebensnotwendig) sind, ist - da keine Forschungsergebnisse vorliegen - wissenschaftlich nicht anerkannt.
Ernährungsphysiologischer Therapieansatz
Zwei Dinge bestimmen unser Dasein in elementarer Art und Weise:
Ernährung undBewegung
Es ist erstaunlich, dass sich angesichts des heute verfügbaren Wissens die allgemeine Ernährungs-Empfehlung für Osteoporose-Patienten: ½ Liter Milch und 2 Scheiben Käse am Tag (das reicht), hartnäckig hält.
Nicht nur, dass – wie oben gezeigt – eine Beschränkung auf calciumreiche Nahrung wenig wünschenswert ist, Milchprodukte enthalten viel (tierisches) Eiweiß, was ihren Nutzen zum Teil wieder zunichte macht.
Ihre Ernährung sollte vielseitig und nährstoffreich sein, eiweiß-reduziert und basenreich. Ballaststoffreiches Obst, frisches Gemüse und Salat, Vollkornprodukte und Kartoffeln sollten Ihren Speiseplan gegenüber Fleisch und Milchprodukten dominieren. Das heißt aber nicht, dass Sie darauf verzichten sollen! Ein Zuviel an (tierischem) Eiweiß in der Ernährung kann als gesicherter Übersäuerungsfaktor gelten. Phosphat-reiche Lebensmittel und Getränke wie Wurst und Schmelzkäse, Cola und Limo sollten Sie ebenso einschränken wie einen übermäßigen Alkohol- und/oder Nikotinkonsum.
Vollkornprodukte sind reich an (entsäuerndem) Kalium, an Magnesium, Kupfer, Fluor und reich an Silicium, ebenso Hirse. Hülsenfrüchte (Linsen, Bohnen) und Schalentiere sind gute Zink-Lieferanten. Nüsse sind reich an Calcium, Kalium, Magnesium, Zink und Mangan. Natürlich ist viel Calcium und Vitamin K in Grünkohl und Brokkoli und in Magermilchprodukten enthalten. Bor ist reichhaltig in Honig vorhanden, Schwefel in allen proteinhaltigen Lebensmitteln (Eier, Milchprodukte, Hülsenfrüchte, Nüsse). Zitrusfrüchte und schwarze Johannisbeeren liefern viel Vitamin C.
Ein Blick über den Tellerrand lohnt
Wie Sie oben gelesen haben, hat u.a. die Stoffwechselaktivität entscheidenden Einfluss auf das Knochengewebe bzw. dessen Regeneration. Der Zellstoffwechsel wird von Hormonen gesteuert. Die Hormone T3/T4 und das Peptidhormon Calcitonin werden natürlich nicht im Knochen, sondern in der Schilddrüse gebildet und sind Jod-abhängig. Eine ausreichende Jod-Versorgung über die Ernährung ist also indirekt (!) für den Knochenstoffwechsel von großer Bedeutung. Jod ist in nennenswerten Mengen nur in Seefisch (Seelachs, Thunfisch, Scholle) enthalten, in Obst, Gemüse, Milchprodukten und Getreide dagegen kaum.
Der wichtigste physiologische Reiz jedoch, der den Nährstoffen den Weg an ihren Bestimmungsort weist und den Impuls zur Aktivität des Stoffwechsels gibt, ist die Belastung auf Zug, Druck, Dehnung und Drehung – die Bewegung. Muskel- und Knochenmasse stehen in einer engen Beziehung. Das Wolff’sche Gesetz, welches besagt, dass sich der Knochen in seiner Form den an ihn gestellten Anforderungen anpasst („Die Form folgt der Funktion“) ist eine der Grundlagen der Orthopädie. Dynamische Krafteinwirkung auf den Knochen regt die Osteoblasten an, neues Knochengewebe zu bilden, sinkt die Muskelaktivität, wirken verstärkt die abbauenden Prozesse.
Der gebrochene und gegipste Arm des 18jährigen Handballspielers ist in kurzer Zeit „osteoporotisch“ und ebenso schnell wieder mineralisiert, wenn der Gipsverband runter ist und der junge Mann wieder Handball spielt.
Der 80-jährigen Osteoporosepatientin Trampolinspringen zu empfehlen, macht wenig Sinn, wohl dosierte Bewegungsübungen jedoch in jedem Fall.
Ein Wort zum Schluss (Zusammenfassung)
Wir hoffen, dass diese Broschüre trotz ihres Umfangs interessant für Sie war.
Wenn es uns gelungen ist, Ihnen zu verdeutlichen, dass Knochen vor allem aus elastischem Bindegewebe besteht, in welches Calcium (nachträglich) eingelagert wird, um dem Knochen neben der Elastizität die notwendige Härte zu verleihen, wenn Sie eine Vorstellung davon gewinnen konnten, dass Osteoporose (Knochenschwund) in erster Linie ein übermäßiger Verlust von Knochenbindegewebe ist, mit dem der Calciumverlust notwendigerweise einhergeht, dass es eines ausgewogenen Verhältnisses von Calcium zu Knochenbindegewebe bedarf, ähnlich einer Stahlbetonkonstruktion, in der das Verhältnis von Stahl (Knochenbindegewebe) zu Beton (Calcium) genau stimmen muss, ist viel gewonnen.
Der heutige allgemein übliche Therapieansatz: Calcium + Vitamin D ist richtig (da Ihnen definitiv Calcium fehlt), aber unvollständig, da alle für das Knochenbindegewebe und für den Knochenstoffwechsel direkt oder indirekt relevanten Stoffe, Silicium, Bor, Mangan, Vitamin C und K, etc. (siehe Auflistung) nicht berücksichtigt sind.
Der vollständige Therapieansatz muss lauten: Regeneration des Knochenbindegewebes mit einhergehendem Calciumeinbau.
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